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Rendezvous mit Mozart

original text (de): Barbara Jahn-Rösel

Altes Haus, neuer Glanz. Das Altstadthotel Weisses Kreuz in der Innsbrucker Innenstadt lädt seine Gäste mit 48 neuen Zimmern und Suiten auf eine erfrischend bunte Zeitreise ein, für die noa* den passenden Rahmen geschaffen hat.

Wer hier einen rechten Winkel sucht, sucht vergebens: Das altehrwürdige Haus in der Herzog-Friedrich-Straße aus den 1460er Jahren gehört zu den Gebäuden in den historischen Straßenzügen Innsbrucks, deren Architektur von Bauelementen verschiedenster Epochen geprägt ist und Teil einer ständigen Transformation war. Dennoch fügen sich die einzelnen Etappen und Elemente fast zeitlos zusammen und bilden eine Symbiose der Stadtmorphologie. Der Veränderungsfreude der Jahrhunderte geschuldet fügt sich auch das Hotel Weisses Kreuz in dieses Muster ein und stellte für noa* eine nicht alltägliche, wenngleich besonders reizvolle Bauaufgabe dar.

Unweit des berühmten Goldenen Dachl´s war das Altstadthotel schon immer beliebter Zielort für berühmte Reisende, zu denen neben vielen historisch Prominenten auch Wolfgang Amadeus Mozart zählte, der hier 1769 als Dreizehnjähriger übernachtet hat. Es handelt sich um ein schmales, nach hinten lang gestrecktes Gebäude, das sich mit seinem vorgelagerten Arkadengang in das urbane historische Gefüge einreiht. Den ursprünglich sechs Geschossen wurde nun im Zuge der Neukonzeption ein Dachgeschoss hinzugefügt, das mit äußerstem Fingerspitzengefühl und professioneller Raffinesse unter Einhaltung des Denkmalsschutzes erweitert wurde. Das neue Dachgeschoss folgt einer bis ins Detail durchdachten Choreografie: Es reagiert einerseits auf Nachbarschaft und Stadtbild, in dem es zur Straße hin die ursprüngliche Neigung beibehält, steigt jedoch nach hinten auf Raumhöhe an und öffnet sich mit insgesamt sechs Glaskuben, die einen wunderbaren Blick über die Dächer der Stadt freigeben. Von hier aus können die Gäste ein einzigartiges Panorama mit Pulverturm, Sprungschanze und Nordkette genießen.

VIRTUELLE ZEITREISE

Die Zeitreise, zu der das Hotel künftig einlädt, beginnt schon im Erdgeschoss, wo man auf dem Weg zum Fahrstuhl einen langen Korridor entlang geht, der von zwei „Spiegelschleusen“ durchbrochen wird. Zum einen begegnet der Gast sich selbst, zum anderen werden die Raumgrenzen durch die Spiegelflächen an den Seiten und der Decke aufgelöst und die Architektur immateriell. Auf diese Weise kann man schon am Eingang der eigenen Zeit entrücken. Mit dem Fahrstuhl geht es direkt in das neue sechste Obergeschoss, wo der Gast empfangen wird. Der erste Blick des Ankommenden fällt auf das dominierende Einrichtungsstück des lang gezogenen Raumes, eine 13 Meter lange, maßgefertigte Tafel aus Messing mit barocken Verzierungen. Hier kommen alle Funktionen zusammen: Empfang, Frühstücksbuffet, Bar und attraktiver Treffpunkt für den Abend, der auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Tafel wird durch den Boden aus geräucherter Eiche noch stärker betont, das Messing steht im fast schon royalen Kontrast mit dem warmen Dunkelblau, in das der Raum getaucht ist. Diesem Farbton ist auch der Name des zukünftigen Kulttreffs zu verdanken: „Zur blauen Brigitte“, benannt nach der Bauherrin selbst.

Das blaue Dachgeschoss mit seinen Erkern und Nischen aus Glas sowie den atemberaubenden Aussichten ist das Gegenteil von „Kühl“. Verschiedene Sitzbereiche mit außergewöhnlichen Sesseln und Leuchten im Gatsby-Stil bieten einen variantenreichen Mix, bei dem charmante Akzente in Hellrosa und Ockergelb an das opulente Messing-Thema anknüpfen. Elemente aus den unterschiedlichsten Stilepochen lassen den Gast jegliches Zeitgefühl vergessen. Hier zeigt sich das Motto des Projekts – Barock-Schick-Schock – von seiner abwechslungsreichsten und kuriosesten Seite. Minimalismus und weiße Flecken kennt man hier nicht: Bis hin zu den technischen Details wurde alles farblich abgestimmt. Die Lebendigkeit spiegelt sich in allen Elementen wider und erinnert an die dynamische Baugeschichte, in der gerade ein neues Kapitel geschrieben wird.

AB IN DIE KAMMER

Selbst wenn die bestehenden Geschosse, in denen sich die neuen Zimmer und Suiten – oder „Kammern“, wie sie die Bauherren liebevoll nennen - befinden, mit seinen gotischen Decken, Bögen und unterschiedlichen Raumhöhen so gut wie keine Regelmäßigkeiten aufweisen, gelang es noa*, System in die Unordnung zu bringen. Jene Gästezimmer, die Richtung Straße orientiert sind, lassen mit Blick aus dem Fenster am Treiben der Innsbrucker Altstadt teilnehmen, jene Richtung Innenhof erfreuen mit einem internen Patio oder Balkon im abgeschiedenen Idyll. Für den fensterlosen Mittelteil des Gebäudes fand noa* eine besonders raffinierte Lösung, um auch hier den Raum auszunutzen und diesen Zimmern trotzdem natürliches Licht angedeihen zu lassen. Diese werden über einen internen Lichthof zwischen dem ersten und sechsten Obergeschoss belichtet und verfügen sogar über eine kleine private, begrünte Terrasse.

Die Zimmer selbst folgen in sich geschlossenen Farbcodes. Jeweils in eine Farbe getaucht, wird der Raum zum Rahmen selbst, in dem die barocken Elemente inszeniert werden. So wird auch die Farbe zum Teil dieser Zeitreise, auf die sich der Gast hier begibt. Der jeweilige Farbton gibt auch einen Hinweis auf die Konfiguration des jeweiligen Zimmers. So sind die roten im Vergleich zu den hellblauen Zimmern etwas großzügiger, die dunkelblauen haben einen Balkon, während die grünen eine Terrasse im Lichthof anbieten und die grauen als Twin-Zimmer eingerichtet sind. Dabei ist die gesamte Ausstattung mit der Farbe durchkomponiert: Vom Teppich und Fliesen über die Wandfarbe bis hin zu den Vorhängen und Möbelstücken. Das Thema Barock findet sich in besonderen Details wieder, so ist beispielweise immer ein Bein des Waschtisches oder einer Kommode barockisiert, aber auch in anderen Accessoires blitzt es immer wieder durch. Akzentuiert wird der barocke Touch zusätzlich durch eine eigens angefertigte Fotografie-Serie von opulent gekleideten Damen, die durch skurrile Accessoires das Leitthema „Barock-Schick-Schock“ aufgreifen.

ROCK ME, AMADEUS

Außergewöhnlich wirkt bereits das erste Obergeschoss, das zusätzlich in den Hof hinein um sechs Zimmer erweitert wurde. Das besondere daran ist, dass alle Zimmer über eine über Kopf verglaste Terrasse und damit über einen großzügigen Außenbereich verfügen. Das Highlight dieser Etage ist das Zimmer „Superpatio“ im grünen Dschungelstil, eine kleine, grüne Oase begleitet von antiken Möbeln und einem besonderen Bett. Eine Etage höher, im zweiten Obergeschoss, befindet sich die „Mozart-Suite“, jenes großzügige Refugium, wo Mozart sich zur Ruhe gebettet hat. Hier entfalten sich pompöse Elemente in roter und goldener Gestalt. Als Hommage an den berühmten Komponisten, der gerne Zeit beim Spielen verbrachte, wurde hier als Eyecatcher ein Billardtisch installiert. Auch im dritten Obergeschoss wartet das Hotel mit einer Kuriosität auf: die so genannte „Besenkammer“, das kleinste Zimmer des Hotels, das komplett im Rohbau-Status verharrt. Mit seinen unverputzten Wänden ist es das „ungestylte“ Zentrum im sonst minutiös durchgestalteten Hotel mit Kultcharakter. Als besonderer Gag ziert ein signierter Tennisschläger eines bekannten Wimbledon-Siegers die Wand. Das vierte Obergeschoss dehnt sich mit zusätzlichen zehn Zimmer ins Nachbargebäude – das sogenannte Frank-Haus – aus. Auf dieser Etage befindet sich das Zimmer „Golden Roof“ mit seiner opulenten, in Gold getauchten Ausstattung. Benannt wurde es nach dem Goldenen Dachl, das man dort vom Erker aus sehen kann.

ENTRÜCKT AUS ZEIT UND RAUM

An die Geschichte erinnern nicht nur die Unregelmäßigkeiten in der Geometrie. Auch die Wandmalereien, die bei der Projektumsetzung gefunden wurden erzählen Geschichten, ohne zu wissen, wer sie geschrieben hat. Das Weisse Kreuz startet mit frischem Konzept neu durch und bleibt zugleich ein Haus voller Überraschungen und Geheimnisse. Die Träume und Anekdoten vergangener Zeiten reichen dabei bis ins Dachgeschoss, wo in den Glaskuppeln sogar der Sternenhimmel zum Greifen nah ist.

DATEN & FAKTEN

  • Typologie: Hotel
  • Ort: Innsbruck, Tirol (Österreich)
  • Betreiber: Altstadthotel Weisses Kreuz
  • Baubeginn: Januar 2020
  • Fertigstellung: April 2021
  • Volumen: 10.152 m3
  • Fläche: 3.163 m2
  • Originaltext (DE): Barbara Jahn-Rösel