Cookies annehmen Unsere Website nutzt technische Cookies und Analysecookies von Erst- und Drittanbietern. Wenn Sie mit der Navigation fortfahren, akzeptieren Sie die von unserer Website vorgegebenen Cookie-Einstellungen. Sie können die erweiterten Datenschutzbestimmungen einsehen, und die entsprechenden Anweisungen befolgen, um die Einstellungen später zu ändern, wenn sie hier klicken.

Des Schlern stilles Theater

noa* (network of architecture) baut den Familienbetrieb Valentinerhof aus und verleiht ihm im Einklang mit der Natur seine neue Identität.

Die Vermittlung der Werte der lokalen Tradition und der Einklang mit der Natur waren maßgeblich für das Architekturkonzept.
(Stefan Rier)
Das Hotel befindet sich in der Gemeinde Kastelruth auf der Landstraße Seiser Alm auf rund 1200m Höhe. Der Familienbetrieb wurde ausgebaut und durch einen neuen Wellnessbereich, eine Lobby mit angeschlossener Bar und 14 großzügigen Suiten erweitert und somit um 1100 Quadratmeter vergrößert.

Architektur im Einklang mit Natur und Tradition

Große Bauvolumen in die Natur einzufügen, und somit die beeindruckende Landschaft der Tiroler Berge zu betonen, war der Anspruch an den architektonischen Entwurf. Die Aufteilung in zwei kleinere Baukörper ergibt die Form einer Arena, welche sich Richtung Süden und dem nahegelegenen Schlernmassiv öffnet.
 
Der Kontrast zwischen der Weite des Bozner Talbodens und der imposanten Präsenz des Schlernmassivs wird in den beiden Baukörpern thematisiert und formal dialogisiert. Komplementär dazu sollen Aussicht, das Panorama und die Gebirgskette das Hauptaugenmerk bleiben.
 
Das Hotel erhält durch das Entstehen einer neuen Wellnesslandschaft ein wesentliches Attribut seiner neu gefundenen Identität. Aus diesem Grund haben noa* das Element Wasser zu einem der Leitbilder des gesamten Konzepts der Archi­tektur, des Interior Designs und des Produktdesigns erkoren.
 
Zwischen den weichen Linien der Kastelruther Berglandschaft wird die Erde zum Habitat und durch eine diskrete Linienführung der vorgesetzten Holzelemente soll Architektur angedeutet werden. Die Steinfassade spiegelt sich in Glaselementen und versinkt im vorgesetz­ten Pool und der Seelandschaft. Elemente der Kastelruther Bautradition wie die „Heuharpfen“, die Futterhäuser der „Paarhöfe“ und die traditionellen Holzzäune gelten als inspirierende Elemente der Formfindung für die Holzfassade.
 
Die unregelmäßigen Formen der Holzrahmen kragen mit unterschiedlichen Längen in die Landschaft und umschließen sie. Es werden somit Räume gebildet, die zwischen dem Innenleben (Erde) und dem Außenleben (Landschaft) stehen. Diese Rhythmik soll dem Besucher das Gefühl des Drinnen im Draußen, der Geborgenheit geben. Sie macht Ihn zum Teil der Landschaft. Der Dialog zwischen Innen und Außen - zwischen Hotel und Landschaft - wird durch raumhohe Glasfassaden und tiefe Terrassen hervorgehoben. Ein weiteres Motiv für die Innen- und Außengestaltung waren typische „Heutücher“.
 
Der Leinenstoff der Heutücher vermittelt Wärme und bildet eine sanfte Trennung zwischen den einzelnen Terrassen der Zimmer. Zudem kann das Heutuch bei Bedarf abgenommen werden und ermöglicht dadurch ein flexibles Zusammenschließen mehrerer Terrassen.

Schlafen in Obhut der Natur

Die Suiten charakterisieren sich durch einen fast quadratischen Grundriss und ermöglichen durch raumhohe Schiebetürelemente eine maximale Lichtdurchflutung des Raumes, sodass auch die hinten gelegenen Badezim­mer genügend Tageslicht erhalten.
 
Das Bett ist talseits ausgerichtet, sodass das schöne Panorama des Schlern mit Blick aufs Tal bereits morgens zu bewundern ist. Das Bett liegt an der Schnittstelle von Außen- und Innen­raum. Bei offener Schiebetür wird dem Gast das Gefühl suggeriert im Freien zu schlafen.
 
Die Leseecke wird gebildet von einem großen Futon und umrahmt von einem traditionellen Heutuch. Die Tücher wurden eigens für das Hotel entworfen und auf einem Webstuhl von 1901 handgewoben. Die Leinenbaren stammen aus dem Pragsertal und sind bis zu 90 Jahre alt.

Eintauchen in das Element Wasser

Der Wellnessbereich teilt sich in Pool- und Saunabereich auf. Das Schwimmbad besteht aus einem kleineren Einstiegsbecken im Inneren und ist verbunden mit einem 70 m2 Außenpool. Die den Pool umschließenden Massageliegen laden zu einem relaxenden Aufenthalt ein und lenken den Blick auf die Berge. Das Becken ist von den Fassadenrahmen umschlossen und nimmt die gesamte Länge des westlichen Gebäudetrakts ein.
 
Das Wasser schwappt entlang einer 15 Meter langen Kante talabwärts Richtung großzügigem Sonnendeck. Finnische Sauna, Kräutersauna, Dampfbad und verschiedene Ruhe- und Schlafbereiche ergänzen den Saunabereich im Osttrakt. Die finnische Sauna verfügt über ein großzügiges Panoramafenster. Die Kräutersauna liegt 1,5 Meter unterhalb des Wellnessniveaus.
 
Der Blick des Saunagängers befindet sich damit auf Wasserspiegelhöhe der Seelandschaft und beim Eintreten in die Seesauna öffnet sich dem Besucher ein gespiegelter Rundumblick auf Berg und Tal. Der gesamte Raum sitzt inmitten der Seelandschaft und die Glasflächen reflektieren das Wasser in das Innere.
 
Auch im Dampfbad, ein einziger Raum ohne Öffnungen nach außen, ist das Element Wasser ständig präsent. Über eine schräge Wand fällt das Wasser in die Tiefe und reißt das Licht, welches von Steinkuben kommt, mit sich. Die Geräusche des Wasserfalls beruhigen und verzaubern.

Ein großes Ganzes

Produkt, Mobiliar, Beleuchtung, Innenarchitektur, Architektur, Landschaftsgestaltung- jedes Gestaltungsele­ment wurde von noa* im Sinne einer gesamtheitlichen Designphilosophie konzipiert und mit Liebe zum Detail von fachlichen Handwerkern ausgeführt.
 
Als herausforderndstes Objekt dieser holistischen Arbeitserfahrung entstand in Zusammenarbeit mit einem römischen Glasbläser „Die baumelnde Seele“. Im Treppenhaus, der Verbindung der Zimmergeschosse und der Wellnessanlage mit dem Altbau, sollte die Philosophie des Hauses wiedergespiegelt wer­den. Einzelne per Hand geblasene und mit Wasser gefüllte Glasbehälter baumeln im dreigeschossigen Atrium.
Die Formfindung basiert auf in der Umgebung gefundenen Steinen welche als Negativform der Glaselemente fungieren. Die Leichtigkeit der ‘Seele’ des Gebäudes steht im Kontrast zu den massiven Felsen der umgebenden Landschaft und balanciert den Anspruch auf Genuss und Selbstfindung gekonnt aus. Auf diesem Wege umspielt die Architektur die Linien der Berglandschaft und fügt sich sanft und diskret in die Natur der Tiroler Berge ein.

Materialien erzählen Geschichten

Das Projekt nutzt ausschließlich traditionelle Baumaterialien wie Stein, Holz, Glas, Leinen. Auch bei der Ver­arbeitung der Materialien wurde darauf geachtet dass traditionelle Arbeitsvorgänge angewendet werden.
 
Jeder Raum des Hotels wird mittels spezieller Programme auf seine Proportionen getestet. Die drei-sowie vierdimensionale Dar­stellung aller räumlichen Aspekte war Ausgangspunkt für die Materialzusammensetzung. Alle Muster von Holz, Fliesen, Stoffen, Teppi­chen und Lampen wurden von noa* zu einem einheitlichen Farb-und Materialkonzept zusammengeführt.

Zahlen & Fakten

  • Fläche Zubau: 1100 m2
  • Fertigstellung: 2011
  • 1200 Meter über dem Meer
  • Zubau: Wellnessbereich, Lobby, Bar, 14 geräumige Suiten
  • Verwendung ausschließlich traditioneller Materialien
  • Intensiver Dialog zwischen Hotel und Landschaft
  • Zusammenspiel von Natur und Tradition
  • 70 m2 großer Außenpool
  • Besonderheiten: Interior Design Element – „Die baumelnde Seele“
  • Auszeichnungen: European Hotel Award 2012