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Vom Faden zum Heutuch

Hermann Kühbacher betreibt seit 1996 eine kleine Schaftweberei. Bauern bringen ihm manchmal versponnene Leinenfäden. Leinen hatte im Pustertal neben der Wolle eine sehr wichtige Rolle gespielt.

Durch die kühlen Nächte und das relativ feuchte Klima war das Pustertal bis nach dem 2. Weltkrieg ein wichtiges Anbaugebiet für Leinen. Jeder Bauer pflegte den Anbau von Flachs (Leinenpflanze), im Herbst wurden die Pflanzen verarbeitet und im Winter versponnen. Am bekannten Stegener Markt wurden unter anderem auch die Termine zwischen den Bauern und den Webern für den kommenden Winter ausgemacht.
 
Das Leinen wurde zu  Bekleidungsstücken, Leintücher und natürlich auch Heutücher, die sogenannten „Plouchn“ verarbeitet.  Plouchn bestanden nicht selten aus gebrauchten und abgenützten Leintüchern, die dann wiederum zu großen Heutüchern zusammengenäht wurden. Für diese Plouchen wurde vor allem das „Rupfane“ verwendet.  Das Rupfane ist das gröbere Leinen, es ist eigentlich die mindere Qualität, nicht so sehr von den Stengelresten gesäubert.  Das „Harbane“ ist die feine lange Leinenfaser; diese wurde für Feiertagshemden und Damenunterwäsche verwendet.

Das verwebte Leinen, das Sie hier sehen, stammt aus dem Pragser Tal, ein Seitental des Pustertals in der Höhe von Welsberg/Niederdorf. Das Leinen stammt von einem gewissen Golser Hans; auf den Spulen kann man die Jahreszahlen 1924 und 1942 deutlich erkennen.
...die Seele des Ortes verschmilzt mit dem Handwerk des Einzigartigen.
(Stefan Rier)

Ein Traditionshandwerk

Die Leinenfäden werden auf den Webstuhl an der hinteren Seite auf eine Rolle aufgewickelt. Diese Fäden bilden dann die Kette, den sog. „Zettl“.
 
Nun muss jeder einzelne Faden durch einen Schaft („Litzen“) gefädelt werden. Hier muss man besonders Acht geben, damit kein Faden den anderen überkreuzt, sprichwörtlich: „Man darf sich nicht ‚‘verzetteln‘ “, (Daher kommt das Sprichwort) Gleich darauf kommt jeder Faden durch das Blatt („Kompe“), und dann an einer weiteren Rolle befestigt.
 
Nun werden die Schiffspuhlen vorbereitet. Hier wird der versponnene Leinenfaden (das ist nun das Pragser Leinen von 1924-1942) auf eine kleinere Spuhle gewickelt, die dann ins „Schiff“ gelegt wird. Dieser Faden bildet den „Schuß“. Dieser verläuft immer quer zur Kette und so entsteht ein kompaktes Gewebe: der Stoff.