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Alles begann mit einem Faden…

Originaltext (de): Barbara Jahn-Rösel

Wie klein kann ein Hotelzimmer in der Stadt eigentlich sein? noa* ließ sich auf ein spannendes Experiment ein und kam zu einem interessanten Ergebnis.

Es war eine Begegnung, die Folgen hatte. Auf einer Messe in Rimini war noa* eingeladen, einen Vortrag zu halten – über Projekte, Denkweisen, Zukunftsvisionen. Unter den Zuhörern befanden sich auch Vertreter der Manufaktur Gamba aus Pesaro, Spezialisten für feinste Hotelwäsche und textile Ausstattung aus eigener Erzeugung. Dieses Zusammentreffen war der Beginn eines gemeinsamen Projektes, denn aus dem ursprünglichen Geschäft mit Wäscheverleih, Wäscherei und Produktion edler Stoffe, aber auch der Tapeziererei von Polstermobiliar reifte bei Gamba schon länger die Idee, sich auch verstärkt in der Hoteleinrichtung einzubringen. Der Plan war es, sich bei der bevorstehenden HOST Milano entsprechend zu präsentieren, wofür man sich mit noa* professionelle und gestalterische Unterstützung holte.
 
Schnell fand man zueinander und sammelte Ideen für den Messeauftritt. Die Aufgabe für noa* war es, nicht nur dem Messestand ein elegantes Aussehen zu verleihen, sondern ein kompaktes Hotelzimmer zu planen, das sich insbesondere im urbanen Kontext wiederfinden könnte. Die Architekten entschieden sich für den Entwurf eines Minimalst-Zimmers, das den Aufenthalt eines Stadt-Touristen, der sich im Schnitt ein bis zwei Nächte und nur selten länger in einem Hotel bleibt, vor allem eines bietet: Keine Einbußen in der Funktionalität der Ausstattung und gleichzeitig ein ansprechendes Ambiente auf engstem Raum.

DAS DETAIL IM FOKUS

Gerade einmal 16,25 Quadratmeter ist das Hotelzimmer von noa* groß – zweieinhalb Meter breit, sechseinhalb Meter lang und perfekt, um in einer Stadt wie Mailand beispielsweise eingesetzt und multipliziert zu werden. Die Kompaktheit beginnt schon beim Eintreten: In einer Nische befindet sich die Schrankgarderobe und die Kofferablage in Form einer Eisenstruktur, die mit Einlageböden aus Schichtstoff ausgestattet sind. Während die Garderobe jedoch optisch in den Hintergrund tritt, fällt der Blick auf die erste Eigenheit des Zimmers: Eine verglaste Dusche steht mitten im Raum, wie ein attraktiver Ankerpunkt zwischen Kommen und Gehen, zwischen Alltag draußen lassen und Entspannung in vollen Zügen genießen. Die Dusche wird zum Protagonisten der Wohnszenerie und löst damit die Grenze zwischen Nasszelle und Schlafeinheit auf.
 
Jedes Element, jeder Zentimeter wurde genau überlegt. So stehen etwa der Waschtisch und der Schreibtisch – lediglich getrennt durch einen schlanken, doppelseitigen Spiegel – Rücken an Rücken aneinander und machen eine weitere Teilung des Raumes obsolet. Das eigens kreierte Bett bildet den Höhepunkt: Auf einem Podest schwebend und so nah wie möglich an das Fenster herangerückt, stellt es mit überhöhtem, velourbezogenem Betthaupt und Fußteil sowie dem textilen Dach fast schon eine eigene Architektur dar. Der Hintergrund zu diesem Design liegt im Wunsch nach einer angenehmen Akustik, die durch die mit Stoff bezogenen Flächen entsprechend gedämpft werden soll. Zudem profitiert man durch den Aufbau im Hinblick auf die Integration von Fernseher und Beleuchtung direkt dort, wo sie am besten genutzt werden können. noa* schafft damit eine einladende Nische, die mit praktischen Details wie das Verstauen von Koffern zusätzlich überzeugt.

GROßER AUFTRITT FÜR DAS „KLEINE“

Das Mini-Hotelzimmer wurde schließlich auf der HOST in Mailand präsentiert. Um dem fast quadratischen Messestand von Gamba mit sieben mal acht Metern eine attraktive Dynamik zu verleihen, wurde der Grundriss des Zimmers leicht diagonal schräg gestellt, woraus sich auf den übrigen Flächen einladende Bereiche für Besucher mit Sitzgelegenheiten und Blick auf und in das Zimmer boten. Für die Simulation von architektonischen Wänden bediente sich noa* einer raffinierten Konstruktion, die Ein- und Ausblicke gewährte und dennoch die Raumproportionen perfekt markierte. In vorgefertigte schwarze Rahmen aus Holz wurden elastische, ebenfalls schwarze Schnüre gespannt, die vor Ort nur noch festgezogen werden mussten. Damit entstand der schöne Effekt der Transparenz, der auch Vorbeischlendernde teilhaben ließ. Nicht zuletzt sind die Schnüre auch ein schönes Zitat an den Leitspruch des Unternehmens mit 100-jähriger Geschichte: Un filo lungo un secolo… (zu Deutsch: Ein jahrhundertelanger Faden…) sowie auch eine Metapher an einen Webstuhl, aus dessen Verkörperung Gamba sprichwörtlich entstanden ist.
 
Drinnen im Hotelzimmer selbst nimmt man Abstand von Andeutungen und lässt faszinierende Eindrücke in Echtzeit erleben. Nach nur einem Schritt taucht man ein in eine Welt von Grün, je nach Lichteinfall erstrahlend in den unterschiedlichsten Schattierungen. Der grüne, gespachtelte Harzboden findet in grüner Wandfarbe, grünen Mosaikfliesen im Duschbereich, grünen Badmöbeln sowie grünen Bezugsstoffen und Vorhängen seine konsequente Fortsetzung. Die Farbwahl hat einen besonderen Hintergrund: noa* will natürlich anmutende Couleurs von außen in den Raum holen. Akzentuiert wird das einheitliche und doch immer wieder changierende Grün von goldfarbenen Armaturen. Nicht zuletzt repliziert das Grün auch auf das Logo von Gamba, eine grüne Blume. Ein Konzept, das sich auf allen Ebenen selbst treu bleibt.

DATEN & FAKTEN

  • Typologie: Messestand
  • Ort: Host Milano Messe (Italien)
  • Betreiber: Gamba 1918
  • Fertigstellung: Oktober 2019
  • Fläche: 56 m2
  • Originaltext (DE): Barbara Jahn-Rösel