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Ein Botschafter für Thüringen

Um den Tourismus in der Region Thüringen zu fördern und das Potenzial seiner attraktivsten Orte zu maximieren, sind wir von einem ganzheitlichen Konzept ausgegangen, das sich nicht nur auf die Entwicklung der Innenräume eines Objektes beschränkt, sondern sich im holistischen Sinne auf eine Gesamtwerk bezieht, vom urbanen Maßstab bis hin zu kleineren Objekten, sozusagen von XX-Large zu XX-Small.

Die Entwicklung eines Konzeptes, das sich nur auf Innenräume bezieht, begrenzt das enorme Potenzial jedes Genius Loci, den die Region bietet, reich an Natur, Kultur, Geschichte und Innovation. Für Reisende, die nach neuen Erlebnissen suchen, besteht die Notwendigkeit, sie durch eine genaue Analyse und Erforschung der Seele des Ortes, den sie besuchen, zu überraschen; eine Seele, die ihnen eine Geschichte erzählt und sie dazu bringt, sich auf diesen Ort einzulassen.
Das Ziel ist das Kreieren einer form von „Teleskop als Botschafter", ein Filter zwischen dem Gast und der Region, das die charakteristischsten Aspekte der Region wiederspiegelt und dabei Räume, Formen, Töne, Farben hervorhebt
(Andrea Dal Negro)
Wir haben deswegen ein Handbuch erstellt und ein vollständiges Storyboard entwickelt, das den städtischen Teil, den architektonischen Teil und den Innenbereich berücksichtigt und den unterschiedlichen Erwartungen und Wünschen der Gäste angepasst werden kann.
Wir möchten kein fertiges Rezept bereitstellen, sondern verschiedene erkennbare Zutaten, die, wenn sie richtig zusammengefügt werden, jedes Mal ein einzigartiges, unkopierbares Ergebnis ergeben
(Andrea Dal Negro)
Ausgehend von der Idee, ein zusammenhängendes und kontinuierliches Bild zu erstellen, haben wir uns für eine Form entschieden, die Modularität und Flexibilität ermöglicht.

Nachdem die 4 Zielgruppen und die Eigenschaften für das Projekt definiert sind, entwickeln sich daraus die 7 variablen Zutaten:
1) Bebauungstypologie: Die Typologie und die Baudichte wird definiert;
2) Verortung: Abhängig vom Kontext, das Projekt wird platziert;
3) Funktionen: Die Funktionen und die Anzahl der Module werden ausgewählt;
4) Dimensionen: Die Modulgröße beginnt im städtischen Maßstab und reicht bis zu Objektgrößen;
5) Komposition: Die Module werden zusammengebaut und ineinander verschachtelt, wodurch unterschiedliche Form- und Raumspiele entstehen;
6) Fassadennutzung: Die externe Hülle ermöglicht verschiedene Nutzungsmöglichkeiten, um ihr Potenzial auszuschöpfen;
7) Fassadenumwandlungen: Durch mobile Elemente entstehen neue Räume und Beziehungen.

Diese Zutaten können für Konzepte auf verschiedenen Maßstäbe angewandt werden, von Makro bis Mikro, von städtischen Installationen bis zu Elementen mit reduzierten Größe, die ihre eigene Struktur beibehalten und sich an unterschiedlichen Anforderungen anpassen.

Um eine besondere Identität in den Innenräumen zu schaffen, fährt das Storyboard fort und definiert monochromatische Farbkonzepte für jeden Raum. Auch hier wird das Konzept auf alle kompositorischen Elemente bis ins kleinste Detail gebracht. Jeder Raum erzählt eine Geschichte, die durch die Analyse und die spezifische Zielgruppe definiert wird, lässt die Vorstellungskraft frei und schafft "lebende" Umgebungen, die miteinander und mit Gästen kommunizieren. Man hat den Eindruck, völlig in ein Konzept eingetaucht zu sein, in dem die Erfahrung sehr intensiv ist. Der hohe Wiedererkennungswert wird durch den Einsatz von warmen Lichtern, hochwertigen Textilien und Verwendung des Holzes verstärkt.

Das Storyboard berücksichtigt weiterhin die Zielgruppe „Sehnsucht“ und stellt alle Zutaten zusammen.
Um das Handbuch auf ein architektonisches Objekt zu übersetzen, haben wir uns für ein Ferienhaus entschieden, das nicht nur von Thüringen spricht, sondern ein Stück Thüringen nach ganz Europa bringen kann
(Andrea Dal Negro)
Ein reisendes Ferienhaus, das mit den Gäste reist und sich der Welt als ein schwimmendes Objekt zeigen kann, das sich nicht nur auf einen Ort bezieht, sondern auf unterschiedlichen Kontexte, und damit zu dem wird was in unseren Augen Thüringen bisher fehlte: ein Botschafter der Region.

Das Ferienhaus besteht aus 5 Haupt- und 2 Sekundärmodulen, die jeweils ihre eigene Funktion haben und sind so angeordnet und zusammengestellt, dass ein einzigartig komponiertes Objekt entsteht. Der Wohnbereich besteht aus einem Wohnzimmer und einem Esszimmer, der Schlafbereich hat zwei Doppelzimmer und ein Badezimmer, während eine Special-Box als Kino und Loungebereich die Erholungszone ergänzen. Im Wohnbereich gekennzeichnet durch Nuancen von Gelb und Hellgrau, befinden sich zwei Terrassen, die eine direkte Kommunikation mit den Außenräumen ermöglichen. Der Schlafbereich ist durch Schutzelemente abgeschirmt, die die Privatsphäre garantieren und die Hauptfarben sind ruhigerer, wie Blau und Grün.

Durch die unterschiedliche Anordnung der Module werden Spannungsräume geschaffen, z.B. in den Schlafzimmern, in denen die Betten niedriger als der Boden sind, was den gewünschten Effekt des Schlafens unter Wasser ergibt. Auf diese Weise entsteht ein Rahmen, der das Außenpanorama wie ein Gemälde umgibt. Weitere Elemente wie eine Schaukel oder die Erlebnisdusche sind als Erweiterung des Konzeptes Sehnsucht gesehen.
Ein kleineres Modul auf den Dächern wird als Loungebereich vorgesehen und ermöglicht eine ruhige und intime Verbindung mit der umgebenden Natur
(Andrea Dal Negro)
Als zweite Beispiel haben wir das Handbuch für die Typologie 2 der Ferienhäuser am Zeulenroda Meer adaptiert. Da die Verortung und Architektur schon definiert wurden, sind die ersten 7 Zutaten schon gemischt. Man wird so die Zutaten für die Interiors nehmen, mit denen die Seele des Ortes, das Genius Loci, und die Zielgruppe berücksichtigt wurde.
Der Wohnbereich wird durch monochromatische Farbwahl als zwei Einheiten wahrgenommen:
Das Wohnzimmer wird mit der Farbe hellgrau gestaltet, Sessel, Sofa, Sofatische, Teppich und Multimedia-Fernseher schaffen den Loungebereich und eine typische Schaukel aus Jena lässt durch Schwanken das Panorama genießen.

Der Essbereich besteht aus gelben Farben und ist auf zwei Niveaus unterteilt: unten ein Esstisch, ein freistehender Kühlschrank und ein Küchenblock mit Spüle, Herd, Backofen und Stauraum, oben die Empore mit zwei Betten. Eine Sammlung von Kochbüchern über Spezialitäten aus Thüringen von Gudrun Dietze bringt einen Stück der Seele der Region auf den Teller.

In der Verbindung zum Schlafbereich befindet sich eine Sitzbank mit Garderobehaken und eine Schuhablage mit Schuhtrocknung-System. Ein kleines WC mit Waschbecken wird mit grünen Farben und bildlicher Beschreibung von heimischen Pflanzen durch Tapete und Bildern gestaltet.

Die Schlafzimmer sind blau und enthalten Doppelbetten, Nachtkästchen, einen Schrank und einen Multimedia-Fernseher. Mittels Einfräsungen in Einrichtungselementen, wie die Pfoten der Thüringer Wildkatze, werden haptische Wahrnehmungen erzeugt. Das Badezimmer wird mit grünen Waschbecken, WC und Dusche ergänzt. Alle Zimmer sind mit Hänge-, Lese- und Stehleuchten aus warmen Lichtern beleuchtet.

Inspiriert von Carl Zeiss, wird auf die Terrasse ein Teleskop für das nächtliche Beobachten der Sterne installiert sowie ein Esstisch mit Lounge und Grillplatz.

DATEN & FAKTEN

  • Typologie: Handbuch für die Tourismusstrategie Thüringen
  • Ort: Erfurt (D)
  • Phase: Wettbewerb
  • Besonderheiten: Modulare und adaptierbare Elemente